Vortrag des Frauenvereins Neudorf zum Thema Patientenverfügung
Damit nicht andere für mich entscheiden müssen
Am 3. September 2026 lud der Frauenverein Neudorf zum Vortrag über die Patientenverfügung ein. Das Thema stiess auf grosses Interesse und zahlreiche Besucherinnen und Besucher durften begrüsst werden. Die Nachfrage zeigte, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen für medizinische Entscheidungen ist.
Als Referent konnte Prof. Dr. med. Gregor Schubiger, ein besonders erfahrener Arzt, gewonnen werden. Er war Chefarzt der Pädiatrie und Leiter des Kinderspitals Luzern und während vielen Jahren Präsident der Ethikkommission des Kantons Luzern. Mit seinem grossen Erfahrungsschatz aus Medizin und Ethik vermittelte er das Thema verständlich, anschaulich und sehr praxisbezogen.
Die rechtlichen Grundlagen der Patientenverfügung sind im schweizerischen Erwachsenenschutzrecht geregelt. Ein zentraler Gedanke dabei ist die Selbstbestimmung jedes Menschen. Mit einer Patientenverfügung kann festhalten werden, welche medizinischen Behandlungen gewünscht oder ablehnt werden, falls man sich später einmal selbst nicht mehr dazu äussern kann.
Der Referent zeigte anhand vieler Beispiele aus seiner langjährigen Praxis, dass solche Situationen jederzeit eintreten können – und keineswegs nur ältere Menschen betreffen. Eine Patientenverfügung macht deshalb in jedem Alter Sinn. Sie hilft, den eigenen Willen festzuhalten und kann Angehörige und Vertrauenspersonen im Ernstfall bei schwierigen Entscheidungen entlasten.
Ein besonders wichtiger und zugleich anspruchsvoller Bestandteil ist die persönliche Werteerklärung: sie dient als eine Art Standortbestimmung. Was ist mir im Leben wichtig? Was bedeutet für mich Lebensqualität? Welche Einschränkungen könnte ich akzeptieren und wo liegen meine persönlichen Grenzen? Gerade diese Fragen zu beantworten, sei oftmals das Schwierigste beim Erstellen einer Patientenverfügung.
Vorsicht sei bei reinen «Ankreuzformularen» geboten: ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ könne eine persönliche Haltung zu einer komplexen medizinischen Situation oft nur ungenügend wiedergeben. Viel aussagekräftiger sei es, die eigenen Werte und Wünsche in wenigen Sätzen zu formulieren und diese mit Angehörigen und Vertrauenspersonen zu besprechen.
Für eine gute und aussagekräftige Patientenverfügung empfiehlt Dr. Schubiger ein persönliches Gespräch mit einer Person mit medizinischem Hintergrund. Dabei können medizinische Möglichkeiten verständlich erklärt und mit den eigenen Vorstellungen und Werten in Einklang gebracht werden.
Der Vortrag regte zum Nachdenken an und machte deutlich, dass eine Patientenverfügung weit mehr ist als ein ausgefülltes Formular.
Die zahlreichen Fragen am Ende des Vortrags zeigten, dass das Thema viele Menschen beschäftigt. Beim anschliessenden gemütlichen Beisammensein konnten die Besucherinnen und Besucher bei einem Getränk, Kuchen und feinem Apéro-Gebäck den Abend ausklingen lassen und die Gespräche weiterführen.
Ein informativer und gleichzeitig anregender Anlass, der dazu ermutigte, sich rechtzeitig mit einem wichtigen Thema auseinanderzusetzen – denn wer seine Wünsche kennt und darüber spricht, macht es sich selbst und seinen Angehörigen im entscheidenden Moment leichter.
Gruppe Weiterbildung, Frauenverein Neudorf
Text: Monika Frey
Bilder: Michèle Rémy